Das erste Jahresthema des St.Gallen Collegiums 2025/26
Freiheit gilt als Leitbegriff der westlichen Moderne – und steht zugleich unter Druck. Technologische Umbrüche, ökologische Grenzen und politische Erosionen fordern unser Verständnis von Selbstbestimmung, Verantwortung und Mündigkeit heraus. Das St. Gallen Collegium widmet sich im akademischen Jahr 2025/26 der Aufgabe, Freiheit unter diesen neuen Bedingungen neu zu denken. Dafür kommen Forscher:innen aus aller Welt und aus unterschiedlichen Disziplinen für ein Jahr zusammen – in einem gemeinsamen Versuch, ein Denken zu entfalten, das die Herausforderungen der Gegenwart ernst nimmt, akademisch fundiert und zugleich gesellschaftlich engagiert ist.
Wissen schafft Wirkung: Diesem Credo haben wir uns an der HSG verschrieben. Doch um auf die drängendsten Fragen unserer Zeit Antworten zu erarbeiten, müssen wir neue Strukturen schaffen. Darum wollen wir an der HSG als erste Wirtschaftsuniversität das St.Gallen Collegium ins Leben rufen. Herausragende Persönlichkeiten und Forschende aus aller Welt sollen ab 2025 in St.Gallen zusammenkommen und im Austausch mit Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam Lösungsansätze für grosse gesellschaftliche Probleme entwickeln. Damit erfüllen wir einen wichtigen Auftrag als Universität.
Mit dieser Vision und ihrem St.Gallen Collegium beschreitet die HSG als Pionierin in der Ökonomie neue Wege. Damit kreiert die HSG eine einzigartige Plattform für gemeinsames Arbeiten und Forschen sowie das Teilen von Erkenntnissen durch ausgewählte, fachübergreifende Expert:innen. Dies ist ein Exzellenzprogramm, welcher nur dank Euren Spenden möglich ist. Somit bedankt sich das Collegium für die bestehenden Spender:innen und Sponsor:innen.
In seinem neuen Essay plädiert Wolfram Eilenberger für einen radikalen Neustart der Philosophie in dunklen Zeiten. Moderiert von Claudia Brühwiler diskutiert er mit Christine Abbt und Michael Festl mögliche Ausgänge aus selbstverschuldeter Unmündigkeit.
Referenten:
Wolfram Eilenberger Prof. Dr. Christine Abbt Prof. Dr. Claudia Franziska Brühwiler Veranstaltung auf Deutsch
Architekturen des Überflusses: Die Industrie Venedigs und die Geschichte des Wirtschaftswachstums
Auf Einladung des Center for Science and Society der Columbia University spricht Collegiums Fellow Prof. Dr. Andreas Friedolin Lingg über die Stadt Venedig als historisches Modell wirtschaftlicher Prosperität. Der Vortrag verbindet Stadt, Industrie und Wachstum zu einer neuen Perspektive auf Wohlstand.
Was bedeutet Rückzug in einer Zeit permanenter Beschleunigung? Collegiums Fellow Prof. Dr. Annette Kehnel verbringt einen Tag in der Wiborada-Zelle bei der Kirche St. Mangen. Als Mittelalterhistorikerin, die sich mit der Aktualität monastischer Lebensformen beschäftigt, begibt sie sich in ein ungewöhnliches Experiment aus Stille, Präsenz und Begegnung. Der Tag wird zum offenen Raum für Gespräche, Fragen und Reflexionen über Geschichte, Gegenwart und das, was Menschen heute bewegt.
Nachhaltigkeit neu gedacht. Prof. Dr. Annette Kehnel zeigt, wie im frühneuzeitlichen St. Gallen bereits ressourcenschonend gewirtschaftet wurde und warum es uns heute so schwerfällt, aus der Geschichte zu lernen.